/ Pressemitteilung
Fit für richtigen Umgang mit Tabletten gegen Krebs
(v.l.) Prof. Dr. Nicole Ernstmann und Anna Moritz, Fotos: Michael Wodak / Klaus Schmidt
Immer häufiger werden Krebserkrankungen mit Tabletten behandelt. Diese so genannte „orale Antitumortherapie“ ermöglicht den Patienten durch eine selbstständige Einnahme mehr Unabhängigkeit im Alltag – gleichzeitig erhöhen sich die Anforderungen an die Betroffenen bei der Umsetzung der teilweise komplexen Therapien. Für den sicheren Umgang mit ihren Tabletten benötigen die Patienten die Fähigkeit, Informationen über ihre Medikamente zu finden, zu verstehen und daraus die richtigen Handlungen abzuleiten. Diese Fähigkeit wird als Arzneimittelkompetenz bezeichnet.
Aus diesem Grund haben es sich die Universitäten Bonn und Köln im gemeinsamen Kooperationsprojekt „ANIMATE“ zur Aufgabe gemacht, digitale Schulungsinhalte zu entwickeln, welche Patienten im Umgang mit ihren Krebsmedikamenten unterstützen sollen. Die Deutsche Krebshilfe fördert dieses Vorhaben in den nächsten drei Jahren mit über 370.000 Euro. Das Projekt baut auf dem erfolgreichen Vorgängerprojekt „AMIKO“ auf, in dem ein wissenschaftliches Instrument zur Messung der Arzneimittelkompetenz entwickelt wurde.
„Bei einer Krebstherapie mit Tabletten tragen die Patienten eine große Eigenverantwortung für den Erfolg und die Sicherheit ihrer Therapie“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Ulrich Jaehde vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn. „Es ist besonders wichtig, dass sie Informationen zu Einnahme, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verstehen und im Alltag richtig umsetzen können.“ Im Rahmen von ANIMATE soll eine digitale und an die individuellen Kompetenzen der Patienten adaptierte Schulung entwickelt werden. „Ziel ist es, passgenaue Schulungsinhalte nutzerfreundlich und intuitiv über eine Web-basierte Anwendung anzubieten“, erklärt Prof. Dr. Stephan Jonas vom Institut für Digitale Medizin der Universität Bonn.
Die Schulungsinhalte werden in einer Studie mit 100 teilnehmenden Patienten aus mehreren onkologischen Praxen und öffentlichen Apotheken getestet. Zur Messung der Arzneimittelkompetenz wird der Fragebogen aus dem AMIKO-Projekt genutzt. Auf diese Weise werden die Kompetenzbereiche ermittelt, in denen individueller Unterstützungsbedarf besteht.
Das Projektteam des Instituts für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Uniklinik Köln unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Nicole Ernstmann übernimmt im ANIMATE-Projekt die formative Begleit-Evaluation. „Uns interessiert, wie die Patienten die digitale Schulung im Alltag erleben, annehmen und welchen Nutzen sie für die Teilnehmenden hat“, erläutert Prof. Ernstmann. Hierfür werden halbstrukturierte Interviews mit den Patienten geführt und teilnehmende Beobachtungen durchgeführt.
Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, die Sicherheit und Wirksamkeit der oralen Antitumortherapie weiter zu verbessern und Patienten gezielt zu unterstützen.




