/ Pressemitteilung

Unterstützung für Familien mit krebserkranktem Elternteil

Projekt Familien-SCOUT geht in die finale Phase

Quelle: Halfpoint / Fotolia

Wenn in einer Familie mit minderjährigen Kindern ein Elternteil an Krebs erkrankt, kann das den Alltag und die ganze Familie belasten und durcheinanderbringen. Ein fester Ansprechpartner, der die Familien begleitet und unterstützt, kann in einer solchen Situation wichtig sein. Hier setzt das Projekt Familien-SCOUT des Centrums für Integrierte Onkologie – CIO Aachen in Kooperation mit dem regionalen Caritasverband an(Familien-SCOUT = sectoren-und phasenübergreifende Unterstützung für Familien mit krebserkranktem Elternteil). Seit 2018 wird Familien-SCOUT durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Nun geht das Projekt in die finale Phase: Bis zum 31.12.2020 können noch Familien an dem Projekt teilnehmen – auch und gerade in Zeiten der Corona-Pandemie.

Erkrankt ein Elternteil mit minderjährigen Kindern an Krebs, kann das alle Familienmitglieder, auch die Partner und Kinder, stark belasten. Neben der Sorge um die Krankheitsbewältigung gehen zumindest vorübergehend gewohnte Alltagsabläufe verloren. Vor allem in Zeiten von Corona ist die  psychosoziale Belastung besonders groß: Soziale Isolation und existenzielle und finanzielle Bedrohungen können verstärkt Ängste und depressive Verstimmungen auslösen. Hinzu kommen die Sorgen durch den ungewissen Krankheitsverlauf, vor allem aber Fragen um die Versorgung und Zukunft der Kinder. Schnell stoßen betroffene Familien in dieser besonderen Situation organisatorisch und emotional an ihre Grenzen, in vielen Fällen fehlt ausreichend Information und Zugang zu Unterstützung. Genau hier kommt das Projekt Familien-SCOUT ins Spiel. Um die Belastung der Familien zu vermindern, stehen den Betroffenen feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, sogenannte Familien-SCOUTs, beratend, begleitend und bedarfsgerecht unterstützend zur Seite. Ihnen obliegt die Aufgabe, Familien zu offenen Gesprächen zu ermutigen und den Zugang zu Unterstützungsangeboten zu ermöglichen. „Dabei kann es sich um sozialrechtliche und finanzielle Fragen, den Antrag auf eine Haushaltshilfe oder die positive Förderung der Krankheitsbewältigung bei Eltern und Kindern handeln“, erläutert Univ.-Prof. Dr. med. Tim H. Brümmendorf, Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Hämostaseologie und Stammzellentransplantation (Medizinische Klinik IV) an der Uniklinik RWTH Aachen und Leiter des CIO Aachen im Verbund Aachen-Bonn-Köln-Düsseldorf (CIOABCD).

„Bei dem Familien-SCOUT-Projekt handelt es sich um eine wissenschaftliche Studie, die über den Innovationsfonds von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert und wird. In den letzten zwei Jahren konnten wir bereits über 400 Familien rekrutieren, mehr als 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind beteiligt“, so Dr. med. Andrea Petermann-Meyer, Koordinatorin der Studie und Leiterin der Sektion Psychoonkologie am CIO Aachen. Im Rahmen der Studie wird evaluiert, ob mit der Zeit durch den Einsatz von Familien-SCOUTs die Belastung der Familie – im Vergleich zu Familien ohne Familien-SCOUTs – sinkt. „Unser langfristiges Ziel ist die Übernahme dieses Hilfsangebots in die bundesweite Regelversorgung. Mit der Teilnahme an dem Projekt, welches auch an unseren CIO Partnerstandorten in Bonn und Düsseldorf durchgeführt wird, profitieren betroffene Familien in ihrer schweren Zeit nicht nur vom innovativen Ansatz einer phasenübergreifenden psychosozialen Unterstützung, sondern leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Verbesserung der Versorgung“, betont der Leiter des Krebszentrums. „Darüber hinaus könnten die gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse im Erfolgsfall unter Umständen auch auf andere schwere Erkrankungen von Eltern minderjähriger Kinder übertragen werden“, ergänzt Dr. Petermann-Meyer.

Bereits im März zur Hochphase der Pandemie vermieden Krebspatienten aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus den Arztbesuch. Dabei sind Früherkennungs- und Abklärungsuntersuchungen nach wie vor wichtig – so auch die psychoonkologische Versorgung, um die Gesundheit sowie die Lebensqualität zu stärken, aber auch das Gefühl von Kontrolle zu erhöhen. Aus diesem Grund wurden die Kontaktwege der Familien-SCOUTs um die Möglichkeit von Videogesprächen mit den betroffenen Familien erweitert. So kann hilfreiche Unterstützung bei größtmöglicher Sicherheit durch Abstand gewährleistet werden.

Weiterführende Informationen finden Interessierte auf der Webseite:
https://www.ukaachen.de/kliniken-institute/familien-scout/ueber-familien-scout/

Für Presserückfragen wenden Sie sich bitte an:

Uniklinik RWTH Aachen
Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Dr. Mathias Brandstädter
Tel. 0241 80-89893
kommunikation@ukaachen.de

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