Letzte Aktualisierung: 21.05.2025
CGI-Clinics: EU-Projekt zur Verbesserung der personalisierten Krebsbehandlung
CGI Clinics ist ein von der EU gefördertes Projekt, das den Aufbau einer Datenbank zur Interpretation von Genmutationen im biologischen und klinischen Kontext (Cancer Genome Interpreter - CGI) zum Ziel hat. 17 Kliniken und Institute aus ganz Europa haben sich dem Projekt angeschlossen. Die Molekularpathologien der Unikliniken Köln und Aachen, Mitglieder im „CIO Aachen Bonn Köln Düsseldorf“, sind die einzigen Projektpartner aus Deutschland.
Die größte Problematik bei der Interpretation von Mutationsprofilen besteht aktuell darin, dass den existierenden Plattformen und Datenbanken keine einheitliche Systematik zu Grunde liegt. Eine Folge davon ist ein sehr hoher Zeitaufwand bei der Interpretation der Varianten. Eine weitere Herausforderung ist, dass es viele Mutationsvarianten mit unbekannter Signifikanz gibt, d.h. der genaue Einfluss der Varianten auf den Organismus ist nicht bekannt.
CGI-Clinics will die Interpretation von Genmutationen systematisieren. Es hat sich zum Ziel gesetzt, mit dem Krebsgenom-Interpreter ein leistungsfähiges „One-stop Shop“-Tool aufzubauen, zu optimieren und im klinischen Alltag zu etablieren. Das Tool soll Ärztinnen und Ärzte in ihrer Entscheidungsfindung bei der Auswahl der richtigen Therapie unterstützen. Ziel ist auch, personalisierten Therapien immer weiter zu verbessern. In seiner aktuellen Version wurden die Algorithmen des Cancer Genome Interpreter auf der Grundlage der Analyse der Genome von 28.000 Patienten entwickelt, die mehr als 66 Krebsarten abdecken und der wissenschaftlichen Gemeinschaft in öffentlichen Quellen zur Verfügung stehen. Wenn im Laufe des Projekts neue sequenzierte Tumore hinzukommen, werden die Methoden des maschinellen Lernens die Vorhersagen verbessern und so auch die Interpretation von Tumormutationen für neue Patienten.
Die Daten und Ergebnisse aus dem Projekt werden auch für Patienten zugänglich gemacht. Die Patienten erhalten so die Möglichkeit, ihre Erkrankung besser zu verstehen – und entwickeln auch ein Verständnis für die Wichtigkeit, persönliche Daten für Forschungszwecke zu Verfügung zu stellen.
Dr. Nuria Lopez-Bigas (Institute for Research in Biomedicine, Barcelona), Konsortialleiterin:
"Wir können sehr stolz auf unsere Arbeit sein, und ich freue mich, dass auch die Gutachter der EU dies anerkennen. Ein besonderer Dank geht an alle Projektleiter der Arbeitspakete sowie an alle Mitwirkenden für ihre wertvollen Beiträge zum CGI-Clinics-Projekt. Lassen Sie uns diese erfolgreiche Arbeit fortsetzen."
Fortschritte im CGI-Clinics-Projekt: Meilensteine und Ausblick (Stand 2025)
Das CGI-Clinics-Projekt befindet sich nun in der Mitte seiner fünfjährigen Laufzeit und verzeichnet bedeutende Fortschritte. Das CGI-Tool wurde zu einer leistungsstarken, professionellen Plattform weiterentwickelt – mit wesentlichen Verbesserungen in der Analysepipeline und der Benutzeroberfläche sowie der Integration neuer Funktionen. Die klinischen Partner waren aktiv an der Konzeption und dem Aufbau des neuen CGI-Tools beteiligt.
Das überarbeitete CGI-Tool ist nun für die Testphase einsatzbereit und bietet neben einer optimierten Mutationsinterpretation auch erweiterte Datenmanagement-Funktionen sowie ein Modul zur Organisation virtueller molekularer Tumorboards (vMTB). Die Verantwortlichen rekrutieren derzeit Expertinnen und Experten, um zeitnah in eine Evaluierungsphase zu starten. Zudem ist die Implementierung des OSIRIS-Datenmodells in das CGI-Tool geplant.
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts ist die Patientenbeteiligung: Sie hat zur Entwicklung eines Leitfadens für den Datenaustausch sowie zur Gestaltung von eduCGI beigetragen.
Gleichzeitig gewinnt das Projekt zunehmend Aufmerksamkeit innerhalb der Gesundheitsgemeinschaft – durch gezielte Verbreitungsmaßnahmen und Aktivitäten in sozialen Medien. Auch auf politischer Ebene zeigt CGI-Clinics Wirkung: Es gibt Anfragen zur Zusammenarbeit mit anderen europäischen Initiativen: Im vergangenen Jahr fanden Treffen mit VICC, der 1+MG-Initiative, GDI und der Hartwig Medical Foundation statt.
Die erste Berichtsperiode wurde erfolgreich abgeschlossen, wobei die Prüfkommission der Europäischen Union das Projekt und die Fortschritte positiv bewertete.
CGI-Clinics wird von der Europäischen Union finanziert und startete im November 2022. Die Projektlaufzeit beträgt fünf Jahre.
Aktivitäten
Konsortialleitung
Dr. Nuria Lopez-Bigas, Institute for Research in Biomedicine, Barcelona
Projektverantwortliche in Köln
Dr. Michaela Ihle, Dr. Jana Fassunke und Christoph Jonas (im Bild v.l.n.r.)
Molekularpathologie, Institut für Pathologie, Uniklinik Köln
Projektverantwortliche in Aachen
Dr. Nadina Ortiz Brüchle, Molekularpathologie, Institut für Pathologie, Uniklinik Aachen
Dr. Martin Kirschner, Klinik für Hämatologie, Onkologie, Hämostaseologie und Stammzelltransplantation (Medizinische Klinik IV), Uniklinik Aachen




