Letzte Aktualisierung: 06.05.2026
Temporallappen [C71.2]
ATLAS/NOA-29
Studieninformationen
Randomisierte, kontrollierte Phase III-Studie zur anterioren Temporallappenresektion versus Gross-Total Resektion der kontrastmittelanreichernden Tumoranteile bei neudiagnostiziertem temporalem Glioblastom (ATLAS/NOA-29)
Behandlungszentren im CIO
Aachen
Ziele
Primäres Prüfziel
In dieser klinischen Studie werden im Rahmen der operativen Entfernung eines Glioblastoms im Bereich des Schläfenlappens zwei unterschiedliche Verfahren miteinander verglichen. Das Standardverfahren der sogenannten „Gross-Total Resektion“, bei dem der sichtbare kontrastmittelaufnehmende Tumoranteil komplett entfernt wird, soll mit einem Verfahren verglichen werden, bei dem über den sichtbaren Tumorrand hinausgehend zusätzliches Hirngewebe entfernt wird (in diesem Falle die sogenannte „anteriore Temporallappenresektion“).
Sekundäre Prüfziele für die Behandlungsarme:
Design
Design
Phase
Zentren
Datenerhebung
Interventionsgruppen
Verblindung
Erkrankung
Diagnose
Diagnosenbeschreibung
Mutation
Patienten
Alter
Einschlusskriterien
1. Verdacht auf Glioblastom mit Kontrastmittelanreicherung im präoperativen MRT
2. Diffuses hochgradiges Gliom im Schnellschnittverfahren, neu diagnostiziert
3. Temporale Tumorlokalisation im MRT:
Nicht-dominante Seite (rechte Hemisphäre bei rechtshändigen, oder linkshändigen Patient*innen nach Dominanztestung): innerhalb von 6,5 cm vom Temporalpol oder,
Dominante Seite (linke Hemisphäre bei rechtshändigen, alle linkshändigen Patient*innen außer bei zusätzlicher Dominanztestung): innerhalb von 4,0 cm vom Temporalpol dorsal entlang der Sylvischen Fissur.
Erläuterung: Im Falle einer Rechtshändigkeit wird die linke Hemisphäre als die dominante Hemisphäre betrachtet. Bei linkshändigen Patient*innen ist die Seite der dominanten Hemisphäre ungewiss. Konsequenterweise sollte bei einer ATL das Resektionsausmaß bei Linkshändigkeit auch innerhalb von 4,0 cm vom Temporalpol liegen. Wenn durch zusätzliche Diagnostik die dominante Hemisphäre festgestellt wird (z. B. Wada-Test, funktionelle MRT, funktionelle transkranielle Doppler-Sonographie, Magnetenzephalographie oder Wake-Mapping-Methoden), kann die Resektionsgrenze nach Ermessen des/der behandelnden Neurochirurgen*in auf 6,5 cm erweitert werden, wenn die nicht-dominante Hemisphäre bestätigt wird.
5. Makroskopisch ist eine vollständige Resektion (keine verbleibende kontrastmittelanreichernde Tumorläsion im frühen postoperativen MRT) erreichbar (Entscheidung der behandelnden Neurochirurg*innen)
6. Werden jenseits der Resektionsränder (6,5 cm auf der nicht-dominanten Seite und 4,0 cm auf der dominanten Seite) weitere T1-kontrastmittelaufnehmende und/oder T2- und/oder FLAIR-Läsionen festgestellt, so werden diese Läsionen nicht dem Tumor zugeordnet (ausgenommen ist ein perifokales Ödem), sondern sind nach Ansicht der behandelnden Neurochirurg*innen vor Ort auf andere Ursachen zurückzuführen
Erläuterung: Vaskuläre Pathologien oder andere T1-kontrastmittelaufnehme Läsionen, die nicht dem Tumor zuzuordnen sind, außerhalb und innerhalb der Resektionsränder sowie FLAIR- und/oder T2-Läsionen, die auf ein peritumorales Ödem zurückzuführen sind, führen nicht zum Ausschluss von der Studie. T1-kontrastmittelaufnehmende Läsionen jenseits der Resektionsränder, die dem Tumor zuzuschreiben sind, und multifokale Gliome führen jedoch zum Ausschluss aus der Studie (zur Definition von multifokalen Gliomen siehe 7.3.)
7. KPS ≥ 70%
8. Geschätzte Lebenserwartung von mindestens 6 Monaten
9. Schriftliche Einwilligung nach Aufklärung
10. Kognitiver Zustand, der es ermöglicht den Sinn und die Notwendigkeit der Studie zu erfassen
11. Compliance der Patient*innen und geografische Nähe, die eine angemessene Nachsorge ermöglicht
12. Bei Patientinnen im gebärfähigen Alter: negativer Serum-Schwangerschaftstest (beta-HCG) bei Studienbeginn, Verpflichtung der Patientin zur Anwendung einer zugelassenen Verhütungsmethode während der Studie und für 3 Monate danach (Pearl-Index < 1%)
13. Angemessene Organfunktion bei der Erstuntersuchung, die eine alkylierende Chemotherapie und neurochirurgische Eingriffe nicht ausschließt (alle Kriterien erforderlich):
Angemessene Knochenmarkreserve:
- Anzahl der weißen Blutkörperchen (WBC) ≥ 3000/µl
- Granulozytenzahl > 1500/µl
- Thrombozytenzahl ≥ 100000/µl
- Hämoglobin ≥ 10 g
Angemessene Leberfunktion:
- Bilirubin < 1,5-fach über der oberen Grenze des Normalbereichs (ULN)
- Alanin-Transaminase (ALT/SGPT) und Aspartat-Transaminase (AST/ALAT) < 3facher ULN
Angemessene Nierenfunktion:
- Kreatinin < 1,5-facher ULN
14. Angemessene Blutgerinnung: PTT nicht über der oberen Grenze des Normalbereichs und INR <1,5; bei Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten oder Thrombozytenfunktionshemmern muss die Gerinnungsanalyse zum Zeitpunkt der Operation keine nachweisbare Wirkung in spezifischen Bluttests (wie unten beschrieben) zeigen, und das Absetzen der gerinnungshemmenden Medikamente muss für mindestens 1 Woche postoperativ vertretbar sein
- Direkt wirkende orale Antikoagulanzien (z. B., Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban, Dabigatran): aFXa-Aktivität (Anti-Faktor Xa) innerhalb des Normalbereichs (Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban), TT/TCT (Thrombin-Gerinnungszeit) oder ECT (Ecarin-Gerinnungszeit) nicht über der oberen Grenze des Normalbereichs (Dabigatran) oder Nachweis subtherapeutischer Wirkstoffspiegel (Apixaban, Edoxaban, Rivaroxaban, Dabigatran)
- Vitamin-K-Antagonisten (Cumarine): INR < 1,5
- Unfraktioniertes Heparin (UFH) und Argatroban: aPTT nicht über der oberen Grenze des Normalbereichs
- Fraktioniertes Heparin/niedermolekulares Heparin (z. B. Dalteparin, Enoxaparin), Heparinoid (z. B. Fondaparinux, Danaparoid): aFXa-Aktivität innerhalb des Normalbereichs
- Thrombozytenaggregationshemmer (Aspirin, Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor): PFA-Test (Thrombozytenfunktionsanalyse) nicht über der oberen Grenze des Normalbereichs (Aspirin), Vollblutaggregometrie nicht unter der unteren Grenze des Normalbereichs (Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor)
Ausschlusskriterien
1. Die dorsale Ausdehnung des Gadolinium-anreichernden Tumors erreicht mehr als 6,5 cm, gemessen vom Schläfenpol dorsal entlang der Sylvischen Fissur oder mehr als 4,0 cm auf der dominanten Seite
2. Das Ausmaß der GTR wird basierend auf den präoperativen MRT-Befunden vom behandelnden Neurochirurgen/von der behandelnden Neurochirurgin so eingeschätzt, dass es dem der ATL nahekommt.
Erläuterung: Dies gilt, wenn die kontrastmittelaufnehmenden Tumorareale größer oder gleich 90 % des ATL-Volumens ausmachen, wodurch das Resektionsausmaß der GTR dem der ATL entsprechen würde.
3. Temporaler Tumor mit gadoliniumanreichernder Infiltration weiterer Lobi und/oder multifokaler Tumor
Erläuterung: Ein multifokaler Tumor ist definiert als zwei oder mehr Läsionen in derselben Hemisphäre, die jedoch durch Bahnen der weißen Substanz voneinander getrennt sind
4. Frühere bösartige Erkrankungen (es sei denn, es handelt sich um ein angemessen behandeltes Carcinoma in situ des Gebärmutterhalses oder ein nicht-melanozytärer Hautkrebs), es sei denn, die frühere bösartige Erkrankung wurde vor mindestens 5 Jahren diagnostiziert und endgültig behandelt und es gibt keine Hinweise auf ein Wiederauftreten
5. Vorherige Chemotherapie, systemische oder lokale Behandlung mit DNA-schädigenden Wirkstoffen, Tyrosinkinase-Inhibitoren oder anti-angiogenen Wirkstoffen für irgendeinen Krebs
6. Vorherige Strahlentherapie (RT) des Gehirns
7. Aktive Infektionen und Infektionen, die eine Operation und/oder weitere Chemotherapie verhindern (nach Ermessen des Prüfarztes)
8. Zustände mit erhöhtem Risiko für intraoperative und/oder perioperative Blutungen
Erläuterung: Patient*innen mit pro- oder antikoagulativen Gerinnungsstörungen können an der Studie teilnehmen, wenn nach Rücksprache mit einem Gerinnungsspezialisten oder nach Ermessen der Neurochirurg*innen der Gerinnungsstatus optimiert wurde. Eine Studienteilnahme ist nicht möglich für Patient*innen unter Antikoagulation oder Thrombozytenaggregationshemmern, wenn die Medikamente nicht vor der Operation und mindestens 1 Woche postoperativ abgesetzt werden können (z.B. bei Patient*innen mit hohem kardiovaskulärem Risiko), oder die relevanten Gerinnungsanalysen (wie in den Einschlusskriterien angegeben) keinen normalen Gerinnungsstatus zum Zeitpunkt der Operation ergeben
9. Patientinnen, die schwanger sind oder stillen, oder Patientinnen im gebärfähigen Alter, die sich nicht verpflichten, während der Studie und 3 Monate danach eine zugelassene Verhütungsmethode anzuwenden (Pearl-Index < 1%)
10. Vorgeschichte einer Erkrankung mit schlechter Prognose (z. B. schwere Herzinsuffizienz) mit einer geschätzten Lebenserwartung < 6 Monate
11. Unfähigkeit eine MRT-Untersuchung mit Kontrastmittelapplikation durchführen zu lassen
12. Jede psychologische, kognitive, familiäre, soziologische oder geografische Bedingung, die die Einhaltung des Studienprotokolls und der geplanten Nachuntersuchungen behindern könnte (nach Ermessen des Prüfarztes)
13. Patient*innen, die nicht in der Lage sind, ihre Einwilligung zu geben
14. Patient*innen, die nicht in der Lage sind, Art, Umfang, Bedeutung und Folgen dieser klinischen Prüfung zu verstehen
Therapie
Intervention
Arm 1:
Anteriore Temporallappenresektion (ATL)
Arm 2:
Gross-Total Resektion (GTR)
Substanz
| Prüfplancode | - |
|---|---|
| EudraCT | - |
| Clinicaltrials.gov | NCT07021339 |
|---|---|
| ISRCTN | - |
| DRKS | DRKS00035314 |
Zuständige Gesamtstudie
—
Leiter der klinischen Prüfung (LKP)—
Studiengruppen/-zentrale
Kontakt Klinische Studien
CIO Aachen: Uniklinik RWTH Aachen, +49 (0) 241 80-85490
CIO Bonn: Uniklinik Bonn, +49 (0) 228 287-16036
CIO Köln: Uniklinik Köln, +49 (0) 221 478-0
CIO Düsseldorf: Uniklinik Düsseldorf, +49 (0) 211 81-04150 (Mo-Do)




